Die Aussage, es gebe keinen Generationskonflikt, ist mir zu einfach. Natürlich stehen sich nicht automatisch alle Jungen und Alten feindlich gegenüber. Aber unterschiedliche Erfahrungen, Gewohnheiten und Vorstellungen führen sehr wohl zu Spannungen. z.B. wenn eine Generation lange die Entscheidungen bestimmt und Veränderungen eher abwehrt als gestaltet.
Ich bin selbst kein junger Hüpfer mehr und kenne genug ältere Menschen, die neugierig geblieben sind und technische Entwicklungen verstehen wollen. Ebenso gibt es junge Leute, die sich für nichts interessieren. Es geht also nicht allein um das Alter, sondern um die Haltung. Trotzdem fällt mir auf, dass gerade bei vielen älteren Entscheidungsträgern lange an dem festgehalten wurde, was bisher funktioniert hat. Die Folgen davon sieht man nicht nur in kleinen Alltagsdiskussionen. Bei der Digitalisierung, in vielen anderen technologischen Sparten und auch im Bildungssystem wurde viel verschlafen.
Während anderswo große Dinge entstanden die uns jetzt Probleme machen, wurde bei uns häufig noch darüber diskutiert,ob Veränderungen überhaupt notwendig sind. Das lässt sich nicht ausschließlich einer Generation anlasten, aber die Menschen, die über viele Jahre die entscheidenden Positionen innehatten, können ihre Verantwortung dafür auch nicht einfach wegschieben.
Selbst an der Kasse sieht man diese unterschiedliche Haltung. Gegen Bargeld spricht grundsätzlich nichts. Wenn jemand aber geradezu stolz darauf ist, jede digitale Möglichkeit abzulehnen, frage ich mich schon, ob es dabei wirklich noch um eine sachliche Entscheidung geht oder eher um das grundsätzliche Festhalten am Gewohnten.
Ist halt eher auch die Frage, ob man bereit ist, Veränderungen wahrzunehmen, dazuzulernen und sich anzupassen. Jüngere Menschen wissen nicht automatisch alles besser. Aber „Das haben wir immer so gemacht“ war noch nie eine besonders gute Antwort auf eine Welt, die sich weiterentwickelt.
Es ist schwierig für eine Generation, die die ganze Zeit weggeschaut hat, beziehungsweise sich gar nicht bewusst ist, was ihre Kinder so treiben, sofern sie denn überhaupt welche haben und überhaupt noch in einer modernen Welt mitspielen. Ich kenne selbst viele Eltern, die einfach den Kopf in den Sand stecken und gar nix machen und nix checken, trotz Kinder, oft aus reiner Alltagsüberforderung.
Ein großes Problem ist, dass Eltern, Po….. und Gesellschaft die digitale Lebenswelt der Jugendlichen lange unterschätzt oder gar nicht verstanden haben (siehe KI aktuell) während die Plattformen ihre Systeme gezielt auf Aufmerksamkeit, Dauerbeschäftigung und möglichst extreme Inhalte ausgerichtet haben. Die Folgen tragen vor allem die Jüngeren, obwohl sie weder diese Plattformen geschaffen noch deren Regeln festgelegt haben.
Wer andeutet, es gebe keinen Generationskonflikt, sollte deshalb zumindest anerkennen, dass Verantwortung und Folgen hier sehr ungleich verteilt sind. Die Jugend pauschal zu belächeln ist genauso falsch wie alle Älteren verantwortlich zu machen. …aber Wegsehen, Festhalten am Gewohnten und verspätetes Handeln gehören eben auch zur Wahrheit.