Prop + Antriebseffizienz messen und vergleichen: Welcher Prop, welcher Antrieb?

Bamfax

Erfahrener Benutzer
#1
Wer kennt sie nicht, die Fragen, welcher Motor mit welchem Prop gut geht, welcher Prop für einen gegebenen Motor der bessere ist, wie sich SFs zu eProps vergleichen, etc.

Beim x12er Koax stand die Frage im Raum, ob Koax oder nicht, ob gleich- oder gegenläufig drehend, welche Props geeignet sind. Bei der Frage nach der Drehrichtung war zu lesen, dass wohl auch gleichläufig gut funktionieren könnte und bei den Props hatte ich mich dann einfach an Ferdl's erprobte "12mm Kombi" gehalten. Der Copter fliegt, keine Frage, auch gut, aber mit dem Gewicht hatte ich mich ziemlich verhauen und ergo war die Effizienz "nicht ganz optimal": 8 Minuten Flugzeit, da muss mehr drinnen sein.

Also stellte sich die Frage, wie man den Antrieb verbessern kann, diesmal aber mit Plan: Gescheit vorplanen, messen, vergleichen und umsetzen. Die Umsetzung lässt noch auf sich warten, aber das Messen läuft inzwischen ganz gut: Dafür ist inzwischen der kleine Prüfstand aufgebaut, die Software geschrieben und die Motoren drehen sich, stinken ab und zu und spucken fleißig Messwerte aus (http://fpv-community.de/showthread.php?41506-Noch-ein-kleiner-Pr%C3%BCfstand).

In diesen Thread wollen wir jetzt beschreiben, wie man die Propeller und Antrieben messen und bewerten kann, und die Ergebnisse und Analysen dokumentieren. Nachdem ich nämlich vermeintlich schicke Graphen im anderen Thread gepostet hatte, tauchte dort Hornetwl auf und hat vorgeschlagen, dass man die Messungen auch gscheit auswerten könnte: Er bringt hier jetzt den wissenschaftlichen Anteil rund um die Messungen und Proptheorie ein, und hat es hinbekommen, dass es fundierte und belastbare Ergebnisse gibt. Aber bevor ich versuche das zu erklären, halte ich lieber mal meine Klappe und lasse es jemanden machen, der Ahnung davon hat.

A bisserl was zur Vergangenheit: Angefangen hatte das Projekt eigentlich damit, dass ich Props vergleichen wollte, ohne Geld dafür auszugeben. Hier auf dem Tisch lagen nur zwei armselige 5010-14 360kv Motoren. Insofern wurde aus dem Projekt nur etwas, weil zuerst Ninjamic sich mutig dazu bereiterklärt hat, mir unbekannterweise seine gerade nicht verwendeten Props auszuleihen. Heraus kamen 3 Proppaare, coole Messungen und ein gut funktionierender Propstand. Vielen Dank nochmal dafür! Dann kam Hornet mit mehr Ahnung, als ich jemals haben werden und nochmal 3 anderen Proppaaren.
Ich weiss nicht, ob es dann klug war, noch weiterzufragen, auf jeden Fall habe ich es getan (duh): Thorsten von Globeflight hat nicht lange gefackelt. Auf die Frage, ob er mir zwei andere Proppaare und ggf. ein paar Tigermotoren zum Testen leihen kann, kam nur die Gegenfrage, ob ich mir vorstellen könnte, ein paar andere Props mitzutesten. Seitdem sitze ich vor 28 Props und 12 Motoren von Globeflight, die jetzt auch noch getestet werden wollen. An dieser Stelle ein wirklich fettes Danke dafür an Thorsten und Globeflight, dass sie hier mit Herzblut dabei sind.

Das große Ganze und die weitere Roadmap sieht damit so aus:
P1020641.jpg
Die Props links unten (die von Ninjamic) und die rechts unten (Hornetwl) und die 17x5.5 in der Mitte unten (meiner einer) sind inzwischen schon getestet, da postet Hornet bald die Ergebnisse. Alles andere ist von Globeflight, das wird noch Arbeit ;).

P1020647.jpg

Und ein paar "kleine" Überraschungen gibt es auch :)
P1020645.jpg

Die Messungen der Ninjamic und Hornet Props sind seit gestern fertig und Hornet's Taschenrechner macht schon Überstunden. Und damit halte ich meine Klappe und warte gespannt, was bei den Messungen rauskommt :)) Ok, ich weiss es ja schon, hrhr :) Teilweise, leider nur. Stay tuned.
 
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olex

Der Testpilot
#2
Direkt abonniert, da auch sehr interessiert an den Antriebsmessungen in der 17" Klasse - insbesondere die Unterschiede verschiedener Propeller-Profile (RCTimer vs. T-Motor-Style vs. Xoar Holz etc.) interessieren mich besonders. Finde ich toll dass das in einem solch spektakulären Maßstab gleich unternommen wird :)
 

Bamfax

Erfahrener Benutzer
#4
olex: natürlich, wir liegen voll im Trend :) Außerdem wollte ich schon immer mal einen 16er SF testen :)

Intruder: Der braucht noch ein Motorupgrade :)
 
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hornetwl

Erfahrener Benutzer
#5
Mir ging es in einer Frage recht ähnlich wie bamfax und olex: woran erkennt man einen guten Prop? Das es (gewaltige) Unterschiede gibt, wurde mir persönlich klar, als mein Copter mit 15x7.5er Billigprops chinesischer Herkunft den xcalc regelmäßig um 30-40% schlug, mein X8 jedoch gerade mit den Prognosen mithalten konnte. Nun ist es recht einfach, gute Akkus und gute Motoren zu erkennen und deren Leistungen rechnerisch in den Griff zu bekommen, beim Prop sieht die Sache völlig anders aus. Breite, schmale, unterschiedliche Geometrien und Steigungen...

Ich baute mir also meinen Messstand und begann, mit einer Fischwaage bewaffnet, Schubmessungen durchzuführen - dann fand ich den Thread von bamfax ;). In die Überlegung, das sofort nachzubauen, habe ich zum Glück die Anzahl der halbfertigen Projekte in der Werkstatt sowie das gerade schöne Flugwetter einbezogen, und schrieb stattdessen eine PN an bamfax :D :D :D

... und wenige Wochen späte sitze ich vor einem riesigen Berg Daten. An dieser Stelle nochmal allerherzlichen Dank für die unermüdliche Messarbeit!

Wie geht man nun an die Auswertung heran? Vielleicht am besten, indem man sich mal kurz überlegt, wie so ein Propeller funktionieren könnte. Dazu gibts im Wesentlichen zwei Denkmodelle. Das eine betrachtet ihn als eine rotierende Tragfläche, mit Randwirbeln, Auftriebsbeiwerten und allem was dazugehört. Dieses Modell ist sehr leistungsfähig, aber recht unzugänglich und komplex. Alternativ dazu existiert eine überraschend einfache Erklärung nach den Ideen von Bernoulli (ihr wisst schon, der mit dem Unterdruck im Vergaser). Das schöne an diesem Ansatz: der Prop kommt darin gar nicht vor, man betrachtet nur die vom Propeller durchquirlte Kreisfläche und den erzeugten Schub.

Anhand des Schubs pro Flächeneinheit liefert die so genannte "Strahltheorie" eine Abschätzung, wieviel Leistung man zu dessen Erzeugung mindestens braucht. Man kann zeigen, dass jeder reale Prop schlechter ist, also in Wirklichkeit mehr Leistung braucht. Aber auch dieser ideale Prop hat schon eine bemerkenswerte Eigenschaft: er ist um so effizienter, je weniger er tun muss (faules Stück!). Effizient ist nach der Strahltheorie also ein riesiger Prop, der fast keinen Schub erzeugt. Das ist einigermaßen blöd für uns, wir wollen kleine Props mit viel Schub, da unser Platz knapp und der Copter bleischwer ist! Um dieses Dilemma zu lösen, müssen wir weg vom idealen Prop und eine weitere Eigenschaft betrachten: die aerodymaische Qualiltät. Diese bestimmt, wieviel zusätzlichen Widerstand und wieviel Minderschub unser Prop gegenüber dem idealen erzeugt. Die aerodynamische Qualität wid aber logischerweise von den eben genannten Eigenschaften des idealen Props überlagert. Ignoriert man das, wird man feststellen, das ein 17"-Prop besser als einer mit 10" ist. Toll! Wussten wir aber schon, siehe oben.

Nachdem die Grundbegriffe alle einmal in den Raum geworfen wurden, wirds jetzt etwas praktischer, ich präsentiere das erste bunte Bild:

sgl_eff_schub.jpg

Sowas hat man schon oft hier im Forum gesehen - es ist auch sehr praktisch, da ich mit meinem geplanten Fluggewicht damit sehr schön meinen Copter auslegen kann. Wer sieht den systematischen Fehler in der Darstellung? Richtig - der Arbeitspunkt! Der große Prop muss weniger schwer für 500g Schub arbeiten als der kleine. Um das etwas genauer zu untersuchen, versucht die folgende Grafik den Mangel des unterschiedlichen Arbeitspunktes abzuschwächen: anstatt die Schubeffizienz über den Schub abzutragen, wird hier über der Kreisflächenbelastung gearbeitet, also quasi der unterschiedliche Durchmesser rausgerechnet.

sgl_eff_fb.jpg

Man sieht sehr schön, dass durch die fairere Bewertung z.B. der 16er und der 17er die Plätze tauschen. Diese Darstellung sollte zwar keine groben handwerklichen Fehler mehr enthalten - aber ich persönlich finde sie immernoch nicht sehr handlich, wenn ich die Qualität eines Props über den gesamten Einsatzbereich beurteilen möchte. Denn die triviale Erkenntnis der zunehmenden Effizienz mit abnehmendem Schub zieht noch immer alle Aufmerksamkeit unverdient auf sich.

Um nun zu einer Art Qualitätskennzahl für den einzelnen Prop zu kommen, müssen wir zunächst bestimmen, was theoretisch überhaupt geht. Da wir bekanntlich in Schubstufen messen, bietet es sich an, hier den Leistungsbedarf des idealen Propellers (mit dem Durchmesser unseres Testkandidaten) für jede Stufe zu berechnen. Wie das geht, möchte ich hier nicht erläutern, das hat Helmut Schenk schon umfassend aufbereitet und veröffentlicht. Wir haben nun den theoretisch minimalen Leistungsbedarf und wir haben den real gemessenen - das Verhältnis aus beiden ist unser gesuchter Wirkungsgrad! Bei der Betrachtung des Absolutwertes sollte jedoch beachtet werden, dass der Leistungsbedarf elektrisch gemessen wurde. In der Zahl verstecken sich zusätzlich also noch ein paar elektrische Verluste. Das soll uns hiernicht stören, denn wir wollen ja nur Props vergleichen und diese Verluste haben sich in anderen Messungen als hinreichend konstant über den hier betrachteten Leistungsbereich erwiesen. Sofern einer der Mitlesenden allerdings im Besitz eines Messpropellers mit einem n100W von ca. 3000 ist oder uns einen solchen einmessen kann, helfen wir dem Mangel natürlich gerne ab!

sgl_ny_schub.jpg

Obwohl der Wirkungsgrad jedes Props mit einem idealen Propeller des gleichen Durchmessers verglichen wird, ist auch diese Darstellung über den Schub wieder etwas verzerrt, da die größeren Props mit höheren Schüben besser zurecht kommen (sollten), als kleine. Daher habe ich auch diese Grafik nochmal etwas fairer gestaltet - um den Preis, dass etwas schwieriger auf den eigenen Copter anzuwenden ist.

sgl_ny_fb.jpg

An dieser Stelle könnte jetzt ein Fazit zu den einzelnen Props kommen, aber das lasse ich gemeinerweise weg. Will ja den geneigten Leser nicht von eigenen Schlussfolgerungen abhalten und ich bekomme auch kein Sponsoring vom Testsieger :)

Ein Ergebnis bedarf jedoch einer zwingenden Erläuterung: Die großen RCT-Props (16x5.5 und 17x5.5) schneiden wirklich bemerkenswert schlecht ab. Beim 16x5.5 ist mir das bei früheren Messungen schon aufgefallen und ich habe mich auf Ursachensuche begeben. Mit aeodynamisch leicht vorbelastetem Auge sind diese auch auf den ersten Blick ersichtlich: eine gratige Nasenleiste wird mit einer backsteindicken Endleiste kombiniert, die dann auch noch nach oben verbogen ist. Ich habe das mal "frei Schnauze" korrigiert, und siehe da, der Anschluss ans Kandidatenfeld ist gefunden (16x5.5-Hornet). Das Problem liegt also weniger an einer misslungenen Auslegung, als an der Fertigungsqualität des vorliegenden Exemplars.

Weiterhin muss ich nochmal bamfax' Messtand loben - wenn man mal die hier geposteten Bilder mit denen von meinen manuellen Messungen mit der Fischwaage vergleicht, wird die Präzision und Wiederholgenauigkeit mehr als offensichtlich. Nichtsdestotrotz kommen wir mit gleichen Props auf völlig verschiedenen Wegen auf annähernd gleiche Absolutwerte. Das macht Hoffnung, dass wir auch hier nicht allzuweit neben der Realität liegen.

Ausblick: Nachdem die wunden Finger sich wieder etwas erholt haben, gehts demnächst mit den Koax-Messungen weiter, so stay tuned...
 

Darkmo

Erfahrener Benutzer
#6
Das wird interessant hier ;-)
Aus Eigener Erfahrung mit meinem Ufo Projekt kann ich nur sagen , dass Tests sehr wichtig sind.

Die andere Sache ist , vor lauter Testen und und neuen experimentieren , ist mein Fluggerät noch immer nicht in der Luft gewesen.

Bamfax Du hast Dir viel vorgenommen ;-)

Bei meien Ufo bin ich auf eine 10Zoll Propeller festgelegt. Versuche mit allen 2 Blatt Propellern scheiterten durch extremen Vibrationen bis zum Zerstören der Props.
Funktioniert haben nur 3 Blatt Props und da ist die Auswahl sehr eingeschränkt.

Fazit:: ich kann nun nur noch die Richtige Motor und Akku Kombination finden.

Da ich das nicht so Wissenschaftlich angehe , muss ich mich mit einem Watt-Meter und eine Wage zufrieden geben.


Ggf. könntest Du bei Deinen Ausführungen, auch die Preise der Kombinationen mit einbeziehen .

Und auch Angaben zur Qualität bei der Verarbeitung machen




Ich wünsche gutes Gelingen und hoffentlich neue Erkenntnisse
ciao Markus
 

olex

Der Testpilot
#8
Klasse Arbeit. Ich bin zwar enttäuscht, die schwarze Linie des RCT 17x5.5 (die ich derzeit benutze) in den Graphen durchgehend am unteren Rand zu sehen, allerdings gibt mir das wiederum Hoffnung, mit einem Upgrade auf qualitativ hochwertigere Propeller noch mehr Flugzeit aus dem X8 herauszuholen. Bin sehr gespannt auf die angekündigten Coax-Messungen.
 

hornetwl

Erfahrener Benutzer
#9
Ich habe gerade per PN die Bitte erhalten, die Sache mit dem Wirkungsgrad nochmal etwas zu thematisieren. Das möchte ich lieber hier tun, vielleicht hat sich der eine oder andere das Gleiche gefragt.

Wie oben dargestellt, ist eine ganz fundamentale Annahme unserer Messungen, dass die elektrische Leistungsmessung einen Rückschluss auf die mechanische Leistung ermöglicht. Ich muss ehrlich zugeben, dass sich beim ersten Nachdenken darüber mir auch etwas die Nackenhaare gesträubt haben - ich hätte eher eine ziemlich komplexe Abhängigkeit zumindest von der Eingangsspannung (und natürlich auch vom Strom) erwartet.

Zunächst zur Spannung. Dazu habe ich mal in meinen Logs gegraben:

ny_v2.jpg

Wie man sehr schön sieht, läuft die Spannung über den Flug die gesamte Bandbreite eines 4s-Lipos ab, von über 16V bis hinunter auf 14.2V. Der Leistungsbedarf im Schweben ist konstant - habe nix abgeworfen und die paar eingesammelten Mücken an den Propellerblättern vernachlässige ich mal. Und was macht die Leistung? Anfang: knapp 111W. Ende: gut 109W. Unterschied: <2%. Drauf gesch...

Bliebe also der Strom. Hier sieht es leider etwas unübersichtlicher aus. Aber es tut m.E. auch weniger weh: Gut möglich, dass es einen Abfall oder einen Anstieg über den verwendeten Leistungsbereich gibt, aber wir messen immer mit dem gleichen Antrieb in einem ähnlichen Leisungsbereich (eventuell könnte uns das beim Single/Koax-Vergleich härter treffen). Als weitere Schutzmaßnahme habe ich absichtlich ganz niedrige Messungen ausgeschlossen (hier fährt der Wirkungsgrad wirklich Achterbahn, und zwar steil abwärts) , ganz hohe fallen durch das Messregime ebenfalls weg (etwa die letzten 10%) . Wenn wir also davon ausgehen, dass wir im Bereich um das Wirkungsgradoptimum des Motors herum messen, sollten selbst diese Abweichungen gering sein. Auf jeden Fall sind sie aber für alle Kandidaten gleich.

Dennoch bietet sich hier sicher noch ein interessantes Feld für weitere Experimente.

@Jogijo:
Cooles Video, besser kann man es wirklich nicht veraunschaulichen!
 
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hornetwl

Erfahrener Benutzer
#10
Nach kurzer kreativer Pause (wir waren nicht untätig ;) ) solls nun hier mit den Koax-Ergebnissen weitergehen. Zunächst mal wieder ein paar Gedanken zu Messstratgie:

Während wir bei den Singles den Bereich von 300g bis ca. 800g pro Arm betrachtet haben, stellt sicht mit Blick auf die Kreisflächenbelastung die Frage, bei welchem Schub wir einen mit zwei Props bestückten Arm messen wollen. Die naheliegende Antwort wäre natürlich, den gleichen Bereich zu verwenden, also bei 300g=2x150g anzufangen und dann zu schauen wie hoch wir kommen. Genau dieses Vorgehen erscheint mir aber wenig sinnvoll - 150g pro Motor bringen uns in den 10W-Bereich (je Motor) - da dürfte praktisch niemand einen Copter auslegen wollen. Weiterhin schwingt ja beim X8 immer der Vergleich zum flachen Octo mit - genau den brauchen wir, wenn wir wissen wollen, was das "Prinzip X" uns effektiv kostet. Im folgenden betrachte ich also den Bereich von 600, 800, 1000, 1200 und 1400g je Arm, respektive 300...700g pro Motor. Zufälligerweise dürfte das auch genau der Bereich sein, in dem sich die meisten Sub-5kg-Octos tummeln ;)

Beginnen wir mit den (fast) rohen Messdaten der Coax-Antriebe, also den Effizienzwerten über dem Schub:

coax_eff_schub.jpg

Im Wesentlichen spiegelt sich hier das Bild des Einzeltests wieder - mit einigen getauschten Plätzen der ohnehin eher dicht beieinander liegenden Kandidaten. Aber wir erinnern uns - hier wurden unterschiedliche Größen verglichen, was zu unterschiedlichen Arbeitspunkten führt. Korrigiert man dies, erhalten wir folgendes Diagramm:

coax_eff_fb.jpg

Wie im Single-Testmodus sollen auch hier die Zahlen genutzt werden, um einen (relativen) Wirkungsgradvergleich der Props durchzuführen - wiederum zunächst über dem Schub:

coax_ny_schub.jpg

Unser finales Ergebnis zur Propellerqualität im Koax-Modus erhalten wir nach der Darstellung über der Kreisflächenbelastung:

coax_ny_fb.jpg

Ausgehend von diesen Zahlen ist der Vergleich Octo-Flach vs. Octo-X8 nur noch einen Katzensprung entfernt, ich stelle diesen wie schon gewohnt nach Schub und Flächenbelastung dar. Inhaltlich werfen wir also die absolute Qualität des Propellers jetzt absichtlich raus und schauen uns nur noch die durch die Prop-Anordnung verursachen Kosten (in der Währung "Wirkungsgrad") an.

coax_single_schub.jpg

coax_single_fb.jpg

Dieses Ergebnis finde ich persönlich einigermaßen spektakulär, denn unabhängig von der Propellerlast und der Propellerqualität liegen die Werte alle in einem mit kaum 15% Breite sehr schmalen Band. Rechnet man also mit Kosten des Konzepts "X8" von grob 25%, macht man damit unabhängig von der Last kaum etwas falsch. Wichtig ist die Wahl eines qualitativ guten Props, denn was hier verloren wurde, ist auch durch "besonders gute Koax-Eignung" nicht wieder reinzuholen.

Anmerkung:
Dem aufmerksamen Leser ist vielleicht der plötzlich viel "normaler" aussehende 17x5.5er aufgefallen - hier sind in der Tat neue Daten aus erneuten Messungen von anderen Exemplaren der selben Serie ins Spiel gekommen. Die Messungen und Überlegungen dazu dauern aber noch an - ein Update der Single-Daten wird es demnächst geben.
 
Zuletzt bearbeitet:

Jörg

Der Tüftler
#11
Hallo,

sehr interessant! Danke für die Arbeit die Du dir gemacht hast.
Zu den letzten beiden Grafiken "Vergleich Octo-Flach vs. Octo-X8", versteh ich das richtig, das ich die im Vergleich zu den weiter oben gezeigten Grafiken sehen muss, oder wo ist da der Vergleich, steh grad ein bissl aufm Schlauch.

Was noch interessant wäre, ob der Abstand der Propeller beim X8, vom oberen zum unteren eine Rolle spielt. Ich habe das bei meinem ganz gezielt auf möglichst geringen Abstand optimiert und hab es geschafft, das auf 60mm zu verkürzen. Habe aber jetzt keine wirklichen tests, welche Auswirkungen das hat. Bin aber auch auf ca. 20-25% Verlust im Vergleich zum Flat Okto gekommen. Meine Tests hatte ich mit den 15zoll von DJI gemacht, habe aber jetzt die T-Motor, die ich aber noch nicht testen konnte. Auch ein Text mit 16Zoll T-Motor wäre sehr interessant. (hab aber leider keine) Ich hab aber gerade bei e-bäh 15, 16 17 zöller im "T-Motor style" bestellt, sehen auf den Bildern wirklich ähnlich aus... wir werden sehen. Werde dann bald mal Berichten, wird aber dauern, da ich erstens zur zeit keine Akkus habe und mir zweitens heute mein Auto mit seltsamen Geräuschen liegen blieb und ich mich erstmal darum kümmern muss...

Ergänzung: gebe zu den ganzen Fred nochmal überflogen zu haben, hab aber nichts gefunden, vielleicht auch zu blind... mit welchem Motor hast Du denn den Test gemacht?
 
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hornetwl

Erfahrener Benutzer
#12
Der Vergleich ist in den Zahlen der letzten beiden Diagramme schon enthalten: ich habe den (relativen) Wirkungsgrad des Koaxantriebes durch den des entsprechenden Singles geteilt. Das Ergebnis sind dann die Diagramme "Wirkungsgradindex Koax zu Single".

Ein Wert von 0,85 in den letzten beiden Diagrammen bedeutet also, dass 85 % des Single-Wirkungsgrades (bei gleichem Prop, gleichem Motor und gleichem Schub oder gleicher Flächenbelastung) erreicht wurden.

Der Messaufbau wurde in einem separaten Thread von Bamfax detailliert beschrieben - möchte das jetzt nicht so gern hier reinmischen (Link ist in Beitrag #1 enthalten).
 

Ori0n

Back again
#13
Ja, echt tolle Arbeit, vor allem kommt da ein wenig Licht ins Dunkle, wie es mit der Effizienz von Koax-Antrieben tatsächlich aussieht (man hört ja immer was anderes).

Ihr wollt nicht zufällig mal die Xoar 17x5,5 Holzprops auch testen oder :D?
 

Bamfax

Erfahrener Benutzer
#14
Hi Orion,

Danke Dir. Genau das war eine der Ideen dahinter, endlich mal zu wissen, wie gut ein Koax Antrieb funktioniert.

War das ein Angebot mit den XOARs? Wenn ja, würden wir das gerne annehmen. Die Größe/Steigung wäre interessant, die haben wir auch nicht im aktuellen Sortiment :).

Olli
 
#15
Hi Olli!

Na du bist ja fleißig am Testen! Finde ich super! :D

Deine Messungen haben mich schon vor einem Fehlkauf bewahrt ;)

Wie man es sieht, gibt´s wohl doch Unterschiebe beim Koaxantrieb. Einer testet und zeigt, dass es keine Verluste gibt und mit deinen Messungen kann man einen Verlust von min. 15% feststellen. Schade, dass es diese großen Unterschiede gibt und die Propwahl noch wichtiger ist, als man vorher gedacht hat!

Am besten wäre es natürlich, wenn man selber einen Prop entwickeln könnte und dabei die algorithmische (natürliche) Kurve/Spirale mit reinnehmen würde. Also die Spiralen, die man überall in der Natur, Kosmos usw. findet. So könnte man sehr geräuscharme, sparsame und leistungsfähige Propeller entwickeln. Hier ist z.B einer der sich damit beschäftigt und schon einige Sachen verbessert hat: http://www.youtube.com/watch?v=by0JhirtO-0

Evtl. kann man Ihn ja mal anschreiben :cool:

Gruß!
Eugen
 

Bamfax

Erfahrener Benutzer
#16
Richtig gut. Ich bin sicher, der Mann ist ein echter Verlust für die Wissenschaft. Möge er sein Ding machen, wir machen unseres. Gottseidank rechnet hier Hornet, da bleibt die Pseudowissenschaft auf angenehmem Abstand.

Um kurz einen Überblick zu geben, wir haben noch folgendes auf unserer Agenda:

Schon erledigt:
--------------
Motor:
- RCTimer 5010-14 360kv (aktuelle Testgrundlage)

Propeller:
- Tiger 15x5 (die Kopiervorlage)
http://www.globe-flight.de/RC-Tiger-Carbon-Propeller-PAAR-15x5_1

- RCTimer 15x7.5 (welker Löwenzahn)
http://www.rctimer.com/index.php?gOo=goods_details.dwt&goodsid=746&productname=

- RCTimer 16x5 (übergroße Hasenohren)
http://www.rctimer.com/product_796.html

- RCTimer 16x5.5 (augenscheinliche Tiger-Kopie)
http://www.rctimer.com/product_923.html

- RCTimer 16x5.5 (Hornet's Customs)
http://www.rctimer.com/product_923.html

- Xoar 16x7 (der Klassiker)
- RCTimer 17x5.5 (Projekt 12mm Rekordprop)

Yet to come:
------------
Motoren:
- T-Motor U15-6s 330kv (Early Production Sample)
- T-Motor MN5312-25 200kv (Early Production Sample)
- T-Motor GF MT4006 -13 740kv
- T-Motor GF MT2216 -11 900kv
- T-Motor GF MN3510-25 360kv
- T-Motor MN3508-20 580kv
- Maytech MTOMK 2830 1000kv
- RCTimer HP4215-460kv

Propeller:
- PitchPump 3DProp 8x4.5
http://www.pitchpump.de/shop/propeller/5/8x4-5-3dprop-set

- PitchPump SportProp 8x4.5
http://www.pitchpump.de/shop/propeller/4/8x4-5-sportprop-set

- HQ Prop 10x4.7
http://flyduino.net/Multikopter-Propeller-CW-CCW_27

- HQ Prop 12x6
http://flyduino.net/Multikopter-Propeller-CW-CCW_35

- Graupner Elektro Prop 11x5"
http://www.globe-flight.de/Graupner-Elektro-Prop-11x5_1

- Aeronaut CAMcarbon light 11x5
http://www.globe-flight.de/CAMcarbon-light-Propeller-11x5-CW

- Graupner Elektro Prop 12x6"
http://www.globe-flight.de/Graupner-Elektro-Prop-12x6_1

- Aeronaut CAMcarbon light 12x5
http://www.globe-flight.de/CAMcarbon-light-Propeller-12x5-CW

- Tiger Carbon Propeller 14x5"
http://www.globe-flight.de/RC-Tiger-Carbon-Propeller-PAAR-14x48_1

- Xoar 15x6
- DJI 15x5.5
http://www.globe-flight.de/DJI-Proppler-Spare-Spreading-Wings-S800_1

- Tarot 16x5
- APC 16x5.5
- Tiger Carbon Propeller 16x5,8
http://www.globe-flight.de/RC-Tiger-Carbon-Propeller-PAAR-16x54_1

- Tiger Carbon Propeller 17x5,8
http://www.globe-flight.de/RC-Tiger-Carbon-Propeller-PAAR-17x58_1



Wir werden erstmal möglichst viele Propeller auf dem RCTimer 5010-14 360kv laufen lassen, um gleiche Testbedingungen zu haben und die Props motorunabhängig in den Vergleich setzen zu können. Wenn mal die interessanten Props rausgefiltert sind, wollen wir mit denen ins Detail gehen und sie auch auf unterschiedlichen Motoren laufen lassen. Kann sich also nur noch um Wochen handeln :). Ich glaub des Testlauf-Count steht gerade bei ca. 95 Messreihen bisher. Da geht noch was :) Ich öle jetzt mal die Motorwelle :).

Grüße,
Olli
 
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Jörg

Der Tüftler
#17
Bin sehr gespannt DANKE!

kannst Du was zum Abstand der Propellerebenen sagen?
 

Bamfax

Erfahrener Benutzer
#18
Der ist bisher bei den flachen Carbonprops 8cm, bei den komischen Formen mit viel Aufbiegung an der Nabe 9cm, wegen dem notwendigen Abstandsstück.
 
#19
Holger & Bamfax, Hut ab! Danke für diese Wahnsinnsarbeit. :) Ich persönlich finde aufgrund meines aktuellen X8 Projektes eure ermittelten Coax-Effizienzen sehr interessant.

Wollt ihr euch auch der Beantwortung auf die Frage nähern, mit welchen unterschiedlichen Prop-Durchmesser/-Steigung, Motor-kvs oben/unten ein Coax-Antrieb am Effizientesten läuft? Ich kann mir vorstellen, das wäre eine Schweinearbeit aber für uns Coax-Piloten *das* Ziel schlechthin, oder?

Gruss, Jens
 

Bamfax

Erfahrener Benutzer
#20
Hallo Jens,

merci. Mit den unterschiedlichen Steigungen müssen wir mal schauen. Grundsätzlich kann man sowas schonmal probieren, wir fahren ja jetzt schon nicht jede Kombination durch, zu den Einzelthemen wie unterschiedliche Steigungen könnte man schonmal einen exemplarischen Ausflug an einem Beispiel machen.

Allerdings sind wir mit übergroßen Steigungen bei der 16+ Propgröße ziemlich limitiert. Hier gibt's ja kaum größere Steigungen. Und wir können ja bisher schon beobachten, dass die einzlnen Motoren in einer Koax-Konfig meistens gleich belastet werden. Wenn das mal nicht so ist, war die Ursache eher beim einzelnen Prop, der komische Effekte hatte und nicht ein systematischer Defekt. Von daher glaube ich (momentan;) noch nicht so sehr an einen Vorteil bei der Kombination von Props mit unterschiedlichen Steigungen oder Motoren unterschiedlicher Geschwindigkeiten.

Hier nochmal nachzumessen, wäre sicherlich interessant. Mein Bauch sagt aber eher, mit Propeller abschleifen, wie Hornet eindrucksvoll bewiesen hat, oder gleich teure Props kaufen, kommt man sicherlich weiter.

Grüße,
Olli
 
RCLogger

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